
Die Lopatinstraße
Ab März 1941 wurde Pjotr Grigorjewitsch Lopatin Kommandeur der kundschaftlichen Diversionengruppe „Bywalyje“, die sich im Hinterland mit der Bildung von Partisanenabteilungen beschäftigte. Dann wurde er Kommandeur der legendären Partisanenbrigade “Onkel Kolja”, die sich im Bezirk des Sees Palik (etwa 30 Kilometer von Borissow entfernt) befand. Diese Brigade brachte 132 Militärstaffeln des Feindes zum Entgleisen, zerstörte und beschädigte 9 Panzer, 6 Flugzeuge, 77 Dampflokomotiven, 282 Autos. Die Partisanen sprengten mehr als 1000 Waggons und Plattformen, verbrannten das Kraftwerk, 8 Brücken und 32 Lagerhäuser, befreiten Dutzende von Kriegsgefangenen. 1945 wurde Pjotr Lopatin der Titel des Helden der Sowjetunion verliehen, und dankbare Borissower nannten nach seinem Namen die größte Straße in der Altstadt.
Viele große und kleine Blockaden musste die Brigade “Onkel Kolja“ überleben. Am grausamsten und blutigsten waren die Operationen “Cottbus” und "Baklan". Die erste wurde im Mai und im Juni 1943 durchgeführt, die zweite – nach einem Jahr. Die erste Operation wurde durch die Schlacht am Kursker Bogen unterbrochen, die zweite – durch die Angriffsoperation von der Roten Armee „Bagration“. Aber die Partisanen, die umzingelt waren, setzten ihre aktiven Vernichtungsoperationen gegen Feinde fort.
Eine ungewöhnliche Operation in der Tätigkeit der Brigade wurde die Operation nach der Anwerbung des deutschen Offiziers des Luftwaffenstabes des Oberleutnanten Karl Krug. Ihre Einzigkeit besteht noch darin, dass die entscheidende Rolle hier die Liebe des deutschen Offiziers zum einfachen weißrussischen Mädchen Vera Tabolewitsch spielte.
Krug übergab die Informationen über die Vorbereitung der Operation “Zitadelle”, die später als die Schlacht am Kursker Bogen bekannt wurde und die Historiker als einen Wendepunkt im ganzen Großen Vaterländischen Krieg betrachten. In Friedenszeiten beurteilte Marschall A.M.Wassilewskij die Ergebnisse des Krieges so: „Dank Krug hatten wir uns gut auf die Schlacht vorbereitet, die auf der Strecke von 200 Kilometern, von Orjol bis Belgorod, erst 49 Tage dauerte!“
Als Vera und Karl in demselben Jahr 1943 nach Moskau kamen, heirateten sie. Ein Jahr später bekamen sie eine Tochter. Nach dem Krieg zog die Familie nach Berlin um.
Nach der Befreiung von Borissow befreit war Pjotr Grigorjewitsch Lopatin als stellvertretender Vorsitzender des Exekutivkomitees tätig. Anschließend wirkte er beim Wiederaufbau der Stadt mit großer Energie mit. Er starb am 9. Juli 1974 und wurde auf dem brüderlichen Friedhof im Dorf Budenitschi begraben



